Tubeless auf dem Crosser

Zu keiner anderen Jahreszeit reden wir im Laden soviel über Laufräder und Reifen, wie während der Querfeldein-Saison. Die verschiedenen Laufradvarianten in Kombination mit den unterschiedlichen Reifen und Profilen bieten unendlichen Stoff für Fachsimpeleien und „Crosserlatein“.

Das Laufräder mit Schlauchreifen dabei zumeist gut wegkommen wundert nicht wirklich, sind sie doch i.d.R. leichter als die Draht- bzw. Faltreifenmodelle, lassen sich wegen der geringeren rotierenden Massen in schwierigem Geläuf besser beschleunigen und haben durch den abgesenkten Luftdruck deutlich bessere Lauf- und Dämpfungseigenschaften als die mit Schlauch ausgerüsteten Pneus. Wenn dann noch das Profil des Reifens zu den Bodenverhältnissen passt, lässt man so manch einen Mitfahrer auf der Crossausfahrt vor Ehrfurcht erblassen. Ich hatte ja an anderer Stelle in meinem Blog schon von meinen selbstgebauten Laufrädern für Schlauchreifenberichtet und kann die extrem positiven Erfahrungen damit nur nochmal wiederholen.

Kürzlich ist mir aber einer von meinen „Schlauchis“ platt gegangen, trotz Dichtmilch, trotz des an sich guten Zustands des Pneus. Der Ventilsitz ist undicht geworden und der Reifen hat ständig Luft verloren. Also runter damit und einen neuen Reifen montiert! Als ob das so einfach wäre. Zwischen Altreifen und Felgenbett hatte sich eine sandig-klebrige „Kniesschicht“ gebildet, deren Entfernung mir ‚ne Menge Arbeit bereitete. Runter bekommen hab’ ich das Zeugs letztlich mit Schwalbe „Glue Remover“, den ich über Nacht hab’ einwirken lassen, einer (Messing)Drahtbürste und meinem Hochdruckreiniger. Das ganze Verfahren 2mal, anschließend die Felge mit Aceton gereinigt, dann war das Ding wieder wie neu. Aber wie gesagt: ein tierischer Aufwand über den meine Buddys mit den Drahtreifenfelgen sicherlich nur lachen können. Den neuen Reifen habe ich übrigens jetzt mal mit Tufo Schlauchreifenklebeband geklebt. (habe ich beim Vorderrad bereits seit längerem). Sagen zwar alle, dass das auf dem Crosser nicht hält, aber ich will es mal selber ausprobieren und werde darüber berichten.

Bei der ganzen Arbeit an meinem Hinterrad hab ich dann auch mal wieder über „Tubeless“ nachgedacht. Theoretisch müssten sich damit ja ähnliche Fahreigenschaften einstellen, wie mit meinen Schlauchis. Wenn da nur nicht das Problem mit der Dichtigkeit wäre. Ein 32er Reifen, mit vergleichsweise niedrigem Luftdruck gefahren (mehr als 2 Bar sollen es bei meinen Reifen im Gelände auch bei Trainingsausfahrten nie sein) walkt halt ordentlich auf der Felge. Zudem ist eine 20mm Felge, besonders wenn sie leicht ist, auch keine Ausgeburt von Steifigkeit. Wenn dann noch eine Wurzel oder ein grober Brocken kommt, ist es schnell geschehen: der Reifen verschiebt sich geringfügig gegenüber dem Felgenbett und verliert quasi auf einen Schlag seinen Fülldruck.

Jetzt werden einige sagen „aber bei den MTBs funktioniert das doch auch ohne Probleme“. Recht haben sie, aber bei einem 29er Laufrad mit 2,5 Zoll dicken Reifen reden wir über ein anderes Luftvolumen als bei meinen schmalen Crossreifen. Und auch die Felgen sind wohl etwas steifer als beim Rennrad.

Trotzdem, es wäre schon klasse, wenn man die tubeless Reifen bedenkenlos auch beim Crossen nutzen könnte. Weniger Action beim kleben, weniger Aufwand beim Reifenwechsel/reinigen der Felge und auch mehr Sicherheit auf der Tour; denn wenn gar nichts mehr geht, kann man in die tubeless Reifen immer noch einen Schlauch einbauen. In Amerika sieht man die Tubeless Reifen bei den Crossrennen übrigens bereits ganz häufig. Die Europäer sind da zurückhaltender und insbesondere bei den Rennen in Belgien habe ich die Tubeless nur super selten bemerkt.

Sieht man sich die Pros und Cons Beiträge in den einschlägigen Foren an, so scheinen die Gegner der Schlauchlosreifen im Querfeldeinsport in der Mehrzahl zu sein. Aber Mainstream war noch nie mein Ding und deshalb hab ich mich entschlossen, das ganze selber mal auszuprobieren. Klar war aber für mich von Anfang an, mein tubeless Projekt nur mit ordentlichen, aber bezahlbaren Parts anpacken zu wollen.

Bei den Laufrädern dachte ich zunächst wieder daran, mir was zu bauen. Stan’s No-tubes „Iron Cross“ Tubelessfelgen kamen dazu in die ganz enge Wahl. Die Amerikaner punkten mit viel know-how in diesem Bereich und bekommen super Kritiken für Felgen und Laufräder. Leider musste ich lernen, das die „ZTR Iron Cross“ Felge bei Stan’s quasi ein Auslaufmodell darstellen. Argument: die sind schon so lange im Markt und werden gerade durch was Neues ersetzt. Kann ich nicht ganz nachvollziehen: mit 23,5mm Breite und 385 Gramm Kampfgewicht, den nachgewiesenen guten Tubelesseigenschaften und den bekannt guten Laufeigenschaften sind sie den als Nachfolgemodell vorgesehenen „ZTR Grail“ des gleichen Herstellers auf den ersten Blick doch wohl überlegen, denn die bringen bei 24,1,mm Felgenbreite immerhin 75 Gramm je Felge an Mehrgewicht auf die Waage. Älter muss halt nicht immer schlechter bedeuten (sieht man übrigens auch an mir!), aber der Markt funktioniert da offensichtlich anders.

Tubeless auf dem Crosser - Notubes ZTR Iron Cross und Schwalbe X-One Bite

Da ich die Felge in der 32 Loch Ausführung also nicht mehr einzeln bekam, hab’ ich mich dann für einen kompletten Laufradsatz von Stan’s entschieden. Hab den ZTR Iron Cross Team ausgewählt: ZTR Iron Cross Felge, Stan’s Neo Nabe und Sapim Speichen. 1610 Gramm in der 32 Speichen 15/12mm Steckachsen Version reichen mir; leichter kann aber muß es nicht sein. Da mein Ridley X-Night noch ein 2015er Modell ist kommen noch die Endkappen dazu, die das Laufrad auch für Schnellspanner tauglich machen. Mit einem UVP von 679,- Euro sind die Laufräder zwar kein Schnapper; ich find den Preis angesichts der Qualität aber angemessen.

Beim Reifen kam eigentlich von Anfang an nur ein Modell in Frage: der Schwalbe X-One in der 32mm Ausführung. Alles was ich bisher dazu gelesen hatte war positiv und der Reifen scheint, Verwendung von ausreichend Dichtmilch vorausgesetzt, absolut dicht auf der Felge zu sitzen. Kumpels von mir fahren den Reifen auch auf dem Crosser und am letzten Wochenende konnte ich sehen, wie sie damit über die hartgefrorenen Waldwege mit ihren tiefen Spurrillen geknallt sind. Bestimmt nicht langsamer als ich mit den Schlauchis!

Also drauf damit. Unser Mechaniker Martin, der mir die Reifen montierte, hat darüber geflucht wie stramm die Reifen auf die Felge gingen. Und trotz Notubes Dichtmilch waren sie beim ersten Pumpversuch auch nicht dicht zu bekommen. Erst nach mehreren Versuchen und nachdem die Dichtmilch sich wohl optimal verteilt hat hielt dann endlich die Luft.

Mein Fazit: Ich habe die Laufräder in der letzten Cross Saison und auch zwischendrin häufig gefahren. Die Luft hat immer gehalte, keine einzige Panne! Selbst steinige Passagen und heftige Wurzelpassagen konnten dem Reifensitz auf der Stans Felge nichts anhaben.  Mit dem richtigen Luftdruck hab‘ ich ein wenig experimentiert und bin jetzt bei etwa 2,25 bar angekommen. Das scheint mir bei meinen 75 kg und dem Terrain auf dem wir uns zumeist bewegen der optimale Reifendruck: gute Roll- und Dämpfungseigenschaften und trotzdem kaum Durchschläge, auch wenn es mal ruppiger zugeht. Im Vergleich zu Schlauchreifen von FMB oder selbst zu dem von Vittoria, den ich zuvor gefahren bin, bleibt aber schon ein spürbarer Unterschied. Die Schlauchis sind besonders im Matsch oder bei Sandpassagen immer noch viel „führiger“ und auch die Dämpfung ist noch einen Tick besser; für ein Cross Rennen also doch wohl die bessere Wahl. Wenn es jedoch um den Ausritt am Wochenende oder die Trainingsrunde geht, so empfehle ich mittlerweile klar die schlauchlosen, weil sie für den Amateur einfach deutlich einfacher zu montieren und zu pflegen sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.